algo bei Emergenza

Wahrscheinlich muß jede Band einmal zu ihrer Lebzeit bei Emergenza mitmachen. Bei Emergenza handelt es sich um einen der bekanntesten internationalen Bandwettbewerbe, indem Bands aus unterschiedlichsten Musikrichtungen in mehreren Konzert-Durchgängen gegeneinander antreten. So starteten auch wir am 16. November 2006 in die erste Runde. Veranstaltungsort war der Knaack-Club, in dem wir schon ein paar Monate zuvor gespielt hatten. Im Vergleich zu anderen Wettbewerben, bei denen eine Jury den Sieger kürt, wird bei Emergenza mittels Handzeichen nach jeder Band darüber abgestimmt, ob dem Publikum das Gehörte gefallen hat. Die Band mit den meisten Stimmen gewinnt. Da sich von den sieben Bands eines Abends der ersten Runde vier für das Halbfinale qualifizieren kann eigentlich jede Band mit einem gesunden Freundeskreis und halbwegs ertragbarer Musik davon ausgehen weiter zu kommen. Positiv überrascht waren wir dann aber, als wir mit 127 Stimmen zum Sieger des Abends gekürt wurden. Zu diesem erfolgreichen Auftakt kam dann noch die Veröffentlichung unseres ersten Albums Headway Strong hinzu, dass gerade noch rechtzeitig fertig geworden war.

Fabse wollte immer schon mal im SO36 spielen. Aus vergangenen Tagen hat dieses ehemalige Kino einen Ruf als brodelnder Punk-Schuppen doch die Ironie des Schicksals wollte es wohl so, dass Fabse hier nicht mit einer seiner zahlreichen Punk-Bands aufspielt, sondern mit algo. Von den insgesamt 80 Halbfinalteilnehmern spielten wir am 13. Mai zusammen mit 7 anderen Bands um den Einzug ins Berlin-Finale.
Da wir in der Zwischenzeit eine Menge neuer Songs geschrieben haben konnten wir den Zuhörern auch Neues präsentieren, so z.B. Buy Into, den wir erst zwei Wochen zuvor geschrieben hatten.
Dank eurer tatkräftigen Unterstützung erreichten wir mit 155 Stimmen und einem guten 2. Platz die nächste Runde.



Das Berlin-Finale wurde wegen der großen Teilnehmerzahl dieses Jahr zum ersten Mal an zwei Abenden durchgeführt. Wir waren am 21. Juli mit 8 weiteren Bands an der Reihe. Ort des Showdowns war der Fritz Club im Postbahnhof. Neben dem gemütlichen Bühnenraum wurde vor der Halle bei 30° im Schatten und Strandbar-Atmosphäre gegrillt und getrunken. Ist es bedenklich, dass dieser Ort durchweg mehr Menschen anzog als die Musik ? Bei einem Festival muß man ja auch mal was essen und sich erholen, aber wenn das Ganze sowieso nur ein paar Stunden dauert ? Wir hatten jedenfalls eine Menge Spaß und konnten, trotz spärlichem Kartenverkauf wegen Ferienzeit und Emergenza-Erschöpfung, vor einem großen und interessierten Publikum spielen. Unter anderem gab es die Uhraufführung von „Say Where We Go“ zu hören.
Während in den Vorrunden ausschließlich das Publikum per Handzeichen über das Weiterkommen der Bands entschieden hat, wurde im Finale auf diesem Weg lediglich eine Vorauswahl getroffen. Die 6 der 9 Bands eines Abends mit den meisten Stimmen wurden anschließend von einer Jury begutachtet und bewertet. Weil wir relativ wenig eigenes Publikum an den Start gebracht hatten konnten wir uns über einen 7. Platz (142 Stimmen) nicht beschweren und verfehlten damit knapp die Möglichkeit ins Jury-Voting zu gelangen. Als Trostpreis konnte sich Julius dann immerhin noch über eine Gitarre freuen. Die ist zwar nicht aus Tropenholz, aber dafür hatte Julius bis dahin noch keine Gitarre mit Humbucker Tonabnehmern und kann seine Sammlung somit um einen neuen Sound bereichern.
Fazit: Emergenza ist eine feine Sache. Wie bei allen Bandwettbewerben hört man natürlich auch bei diesem Beschwerden verschiedenster Art. So bemängeln viele Bands, die bereits in der ersten Runde rausfliegen, dass es nur darum geht möglichst viele Freunde zusammen zu trommeln um mit deren Stimmen in die nächste Runde zu kommen. Stimmt ! Aber im Vergleich zu anderen Wettbewerben, bei denen schon zu Begin eine Jury entscheidet, hat hier jede Band die Möglichkeit mindestens einen Auftritt zu haben. Die Emergenza-Veranstalter haben sich bei diesem System wohl gedacht, dass bessere Bands auch automatisch eine größere Fangemeinde haben und die Entscheidungen somit gerecht ausfallen. In der Praxis sieht es aber doch eher so aus, dass im gesamten Freundes- und Bekanntenkreis für die Konzerte geworben wird. Eine ernst zu nehmende Fanbasis haben die wenigsten der hier antretenden Gruppen. Auf die Probe gestellt wird also eher die soziale Verträglichkeit der Bandmitglieder und ihre Promotion- bzw. Kartenverkaufsmaschinerie. Das sind ja immerhin auch Eigenschaften an denen es aufstrebenden Bands nicht fehlen darf. Wenn eine Band über die erste Runde nicht hinauskommt, obwohl hier wie bei unserer ersten Runde nur ca. 30 bis 50 Stimmen benötigt wurden, sollte sie sich fragen, warum es nicht einmal gelingt mit ihrer Musik eine so kleine Gruppe von Menschen für sich zu gewinnen. Zugegeben, auf fremdes Publikum sollte man nicht zählen. In der Regel bekommt man nicht viel mehr Stimmen als die Anzahl der selbst verkauften Karten. Das sollten vor allem diejenigen bedenken, die ihr Ausscheiden auf eine ungünstige Startreihenfolge schieben. Tatsächlich sind dieses Jahr auch Bands weitergekommen, die als erstes oder letztes spielen mussten und dadurch weniger fremde Zuschauer hatten.
Ein Problem dieses Voting-Systems ist jedoch, dass es nicht unbedingt die musikalische Qualität ist die sich durchsetzt. Auch wenn das ungerecht ist, können mäßige Musiker sehr viele Freunde haben. Somit kann es sein, dass die Zuschauer im Finale keine besseren Bands als in der ersten Runde sehen, wohingegen die Kartenpreise aber bei jeder Runde ansteigen. Es ist nicht ganz einfach seine Freunde davon zu überzeugen für ein 25-minütiges Konzert eine Karte zu kaufen, während man die Qualität der restlichen Musik nicht garantieren kann. Um anderen eine nicht-egoistische Empfehlung zu geben zu einem Emergenza Konzert zu gehen, müssten die teilnehmenden Bands noch deutlich besser werden. Aber darauf haben die Emergenza Organisatoren ja keinen Einfluss. Emergenza spiegelt lediglich das Niveau der Newcomer-Bands der jeweiligen Region wieder.
Für uns hat sich das Ganze jedenfalls gelohnt. Das Gute an diesem Wettbewerb sind in erster Linie nicht die materiellen Preise die man in den letzten Runden gewinnen kann, sondern die Promotion durch mindestens einen, wahrscheinlich aber mehrere Auftritte, die Musiker die man kennen lernt um vielleicht später mal ein gemeinsames Konzert zu geben und die Zuschauer, die (es sei Ihnen vergeben) sonst kein algo Konzert besucht hätten.
Vielen Dank an alle, die uns bei Emergenza unterstützt haben. In nächster Zukunft werden wir Eure Nerven vorerst nicht mit einem Bandwettbewerb strapazieren.
Alexander